Der Kuckuck schwindelt nicht nur bei den Eiern

Ein asiatischer Kuckuck auf einem Ast

Ein asiatischer Kuckuck sitzt unschuldig auf einem Ast.

Der Kuckuck (Cuculus canorus) ist bekannt dafür, dass er nicht immer ehrlich spielt. So legt er seine Eier in die Nester von anderen Vögeln und überlässt diesen die Aufzucht seines Nachwuchses. Damit dieser Betrug nicht auffliegt, hat er noch andere Tricks auf Lager.

Kein Vogel will von einem Kuckuck hintergangen werden. Denn mit einem Kuckucksei im Nest besteht ein grosses Risiko, dass der eigene Nachwuchs eingeht. So attackieren sie den Kuckuck, wenn er sich dem eigenen Nest nähert. Und sie schauen sich die Eier des eigenen Nachwuchses ganz genau an. Sollte ein Ei verdächtig aussehen, werfen sie es raus.

Das passt dem Kuckuck natürlich überhaupt nicht. Er will, dass sein Ei im Nest bleibt. Doch wie könnte er sein Opfer davon abhalten, sein Ei zu entdecken?

In der Ablenkung liegt der Schlüssel zum Erfolg

Der Teichrohrsänger ist ein kleiner Vogel, den man in Schilfgebieten beobachten kann. Sehr oft werden diese Singvögel von einem weiblichen Kuckuck als Gasteltern ausgesucht. Nun wurden einem Teichrohrsängerpaar vier verschiedene Vogelstimmen vorgespielt. Dabei handelte es sich um einen Sperber, eine Taube und einem männlichen und weiblichen Kuckuck. Während die Teichrohrsänger bei der Taube und beim männlichen Kuckuck ruhig blieben, wurden sie beim Sperber und beim weiblichen Kuckuck nervös.

Sperber auf Ausschau

Ein Sperber auf Ausschau

Beim Ruf des Sperbers als Fressfeind macht diese Reaktion durchaus Sinn, doch beim weiblichen Kuckuck besteht keine direkte Gefahr für die Vögel. Als die Vogelstimmen auch noch Meisen als Kontrolle vorgespielt wurden, reagierten diese genau gleich. Denn auch Meisen werden von Sperbern angegriffen. Doch nur sehr selten werden diese auch Opfer vom Eiertrick des Kuckucks. Diese Beobachtung führte zu der Annahme, dass der Ruf des Sperbers und jener des weiblichen Kuckucks für Vögel sehr ähnlich klingen.

Doch was bringt dem weiblichen Kuckuck nun die Sperber-Stimme? Das wollten auch zwei Forscher wissen und legten ein braun gefärbtes Ei in ein Teichrohrsänger-Nest. Die Färbung des Eis unterschied sich damit deutlich von den anderen Eiern und würde normalerweise schnell entdeckt. Nun wurden wieder die vier verschiedenen Vogelstimmen abgespielt. Die Teichrohrsänger wurden durch die Sperber- und die weibliche Kuckuck-Stimme so sehr abgelenkt, dass sie öfters vergassen, das komische Ei aus dem Nest zu werfen. Auf diese Weise erhöhen die schlauen Weibchen die Erfolgsaussichten für den eigenen Nachwuchs. Ziemlich clever, auch wenn einem die Teichrohrsänger fast ein bisschen leid tun können.

 

Dieser Eintrag basiert auf einem wissenschaftlichen Paper von Jenny York und Nicholas Davies.  Swindling cuckoos: hawklike call tricks hosts.

 

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