Die Hälfte der Faultiere sterben auf dem Klo

Faultier mit Jungem am Boden

Faultier mit Jungem am Boden

Würden wir noch auf die Toilette gehen, wenn die Hälfte von uns auf dem Weg dorthin umkommen würde? Wohl eher nicht. Das Dreifinger-Faultier (Bradypodidae) geht das Risiko ein. Jede Woche klettert es einmal auf den Boden herunter, um seine Notdurft zu erledigen.

Faultiere sind für uns Menschen lustig anzuschauen. Mit ihren extrem langsamen Bewegungen klettern sie von Ast zu Ast. Dazu kommt ein solch friedlicher Gesichtsausdruck, dass wir diese Tiere einfach mögen müssen. Hinter der Fortbewegung in Zeitlupe steckt jedoch eine Überlebensstrategie. Die Augen von ihren Fressfeinden sind auf Bewegung trainiert und deshalb können ein solch langsames Tier wie das Faultier in den Bäumen kaum entdecken.

Auf dem Boden ist diese Taktik jedoch lebensgefährlich. Die Dreifinger-Faultiere sind für den Jaguar oder eine Schlange einfach zu erkennen und damit eine leichte Beute. Da wäre es doch klug einfach immer in den Baumwipfeln zu bleiben. Die Faultiere halten jedoch nichts von diesem Rat und machen mit ihrem Hintern eine schöne Mulde für ihr grosses Geschäft. Es kann wohl kaum daran liegen, dass der Toilettenbesuch auf dem Boden bequemer ist. Sie könnten gemütlich auf einem Ast sitzen und in Sicherheit ihren Haufen auf die Erde fallen lassen.

Das Faultier holt auf dem Boden Helfer für seinen Fellgarten ab

Bei näherer Betrachtung eines Faultieres fällt auf, dass sein Fell ziemlich verfilzt und grünlich aussieht. Denn in der dichten Behaarung der Tier wachsen Algen. Diese eignen sich hervorragend als Tarnfarbe in den Baumwipfeln und sind zudem ein wichtiger Bestandteil des Speiseplans. Doch diese Algen wollen auch gepflegt werden. Einer der Gärtner im Faultierfell ist eine Motte (Cryptoses spp.), die ihre Eier im Kot des Faultiers ablegt. Wenn sie sich auf dem Fell niederlassen, bringen sie natürlichen Dünger mit und lassen so die Algen wachsen.

Das scheint nach Ansicht der Forscher um Jonathan Pauli auch der Grund, weshalb die Dreifinger-Faultiere am Boden aufs Klo gehen. So können die Motten ihre Eier im Kot ablegen und neue Motten aufgenommen werden. Die Algen auf dem Fell sind also so bekömmlich und energiereich, dass das Faultier ein enormes Risiko auf sich nimmt.

Jonathan N. Pauli et al., A syndrome of mutualism reinforces the lifestyle of a sloth, 2014.

Haluka Meier-Borst, Lebensgefährlicher Klogang für einen Leckerbissen, Zeit online.

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