Die Krähe – Rabenschwarze Intelligenz

 

Krähe auf einem Geländer

Der Fotograf scheint der Krähe nicht ganz geheuer zu sein.

Raben und Krähen sind nicht sehr beliebt. Grosse Schwärme galten schon früher als Vorboten von Tod und Unheil. Im Mittelalter waren sie die Vögel der Hexen und noch heute sprechen wir von „Rabeneltern“ oder einem „rabenschwarzen Tag“. Dabei vergessen wir, dass es sich um die intelligentesten Vögel überhaupt handelt.

Der Verkehr rollt pausenlos. Überall sind Autos und Menschen. Weit oben auf einem Dach sitzt eine Krähe mit einer Nuss im Schnabel. Sie sucht nach einem Ort, wo sie die Nuss fallen lassen und knacken könnte. Doch jeder Quadratmeter ist genutzt und grössere Flächen sind nicht in Sicht. Aufmerksam verfolgt die Krähe den Verkehr und fliegt los.

Der Naturwissenschaftler Josef H. Reichholf will uns in seinem Buch die rabenschwarzen Vögel näherbringen. Spannend und unterhaltsam erzählt er von Erlebnissen mit seinen eigenen Rabenvögeln. Er dokumentiert, wie Krähen beim Verstecken der Beute ihre Konkurrenten täuschen können. Wie sie nach Monaten versteckte Walnüssen wieder auffinden, unfreundliche Lebewesen bestrafen und sogar die menschliche Stimme nachahmen.

 Das Buch ist auf Amazon erhältlich. Auf über 200 Seiten werden erstaunliche Fakten und Geschichten über die Krähe erzählt.

Die Dschungelkrähen von Tokio

Die fliegende Krähe scheint eine Lösung für das Knacken der Nuss gefunden zu haben. Aufmerksam beobachtet sie eine Ampel und wartet auf das Rotlicht. Vorsichtig platziert der Vogel die Nuss auf der Fahrbahn vor den stehenden Autos und macht sich aus dem Staub. Bei der nächsten grünen Phase wird die Nuss von den Autos überrollt und das wertvolle Innere wird zugänglich. Die Dschungelkrähe wartet geduldig auf das rote Licht und schnappt sich den eiweissreichen Snack.

Doch dies ist nicht der einzige Trick der Krähen von Tokio. Auch beim Nestbau mussten sie erfinderisch werden. Da die Stadt sich um saubere Strassen bemüht, bleibt auch kaum ein Ast liegen, den die Vögel für ihr Nest verwenden könnten. In mühsamer Arbeit müssen sie nun Ästchen zusammentragen, um einen guten Brutplatz zu bauen. Wenn die Arbeit endlich fertig ist, kommt schon das nächste Problem auf die Krähen zu. Wo sich Anwohner an den Nestern, am Geschrei oder an dem herunterfallendem Kot ärgern, wird die Feuerwehr gerufen. So lange noch keine Eier oder Jungvögel in den Nestern liegen, werden diese mit dem Schlauch von den Häusern und Bäumen gespritzt.

Das fanden die Dschungelkrähen gar nicht lustig und haben sich auf die Suche nach besserem Baumaterial gemacht. Auf den Balkonen und vor den Fenstern der Stadt wurden sie fündig. Überall hängen drahtige Kleiderbügel, um die Wäsche zu trocknen oder zu lüften. Der perfekte Ersatz für die nur schwer zu findenden Äste! Zudem haben die Bügel einen weiteren Vorteil. Sie können so ineinander verkeilt und gebogen werden, dass die Nester extrem stabil werden. Da hat auch der Schlauch der Feuerwehr keine Chance. Und wenn es Zeit für die Brut ist, kann man das metallene Nest mit ein bisschen Stoff oder Federn polstern und fertig ist das Kinderzimmer.

Skyline von Tokio

Skyline von Tokio

 

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